Beratungen verkaufen Urteilskraft, abgerechnet in Tagessätzen. Ein großer Teil der Projektzeit fließt trotzdem in Zuarbeit: Referenzen für das Angebot zusammensuchen, Datenräume sichten, Wettbewerberprofile anlegen, Folien ins Layout bringen, Statusberichte schreiben. Diese Seite zeigt Arbeitspaket für Arbeitspaket, wo KI in einem Beratungsprojekt heute trägt, wo die Forschung zur Vorsicht rät und was bei Mandantendaten zu beachten ist.
Es geht hier nicht um KI-Strategieberatung für andere Unternehmen. Es geht um Beratungen, die KI in der eigenen Projektarbeit einsetzen wollen – Partner, Managerinnen, Consultants und Analysten.
Typische Arbeit in der Branche
Ein Beratungsmandat folgt fast immer demselben Bogen. Die Dokumente und Systeme ändern sich je Phase, der Zeitdruck nicht.
| Phase | Typische Arbeit | Dokumente und Systeme | Wo KI zuarbeiten kann | Was beim Menschen bleibt |
|---|---|---|---|---|
| Akquise und Angebot | Ausschreibung oder Anfrage auswerten, Referenzmandate und Tombstones finden, Angebot und Pitch-Deck bauen | Ausschreibungsunterlagen, frühere Angebote, CVs, CRM | Unterlagen auswerten, passende Referenzen und Textbausteine finden, Angebotsentwurf und Deck nach Vorlage | Go/No-Go, Preis, Teamaufstellung, Zusagen |
| Projektstart | Kick-off, Datenanforderung, Datenraum einrichten | Angebot, Projektplan, Datenanforderungsliste | Kick-off-Deck aus Angebot und Methodik, Datenanforderung aus Vorgängerprojekten | Abstimmung mit dem Mandanten, Zielbild |
| Analyse | Datenraum sichten, Markt- und Wettbewerbsanalyse, Expert Calls vorbereiten und auswerten | Datenraum (oft SharePoint), Studien, Webquellen, Call-Notizen | Dokumente sichten, Risiken mit Fundstelle markieren, Profile und Benchmarks mit Quellen, Kernaussagen mit Zitat | Bewertung, Hypothesen, Empfehlung |
| Projektsteuerung | Statusberichte, Lenkungsausschuss-Vorlagen, Maßnahmen und Fristen | Projektpläne, Protokolle, Mails, Jira oder Asana | Wiederkehrende Berichte zu festen Zeiten, Protokoll- und Vorlagenentwürfe | Eskalationen, Priorisierung, Gespräch mit dem Mandanten |
| Abschluss | Abschlussbericht, Übergabe, Lessons Learned | Abschlusspräsentation, Modelle, Mails | Bericht nach Vorlage, Projektwissen auffindbar halten | Kernaussagen, Verantwortung für das Ergebnis |
Was die Forschung zeigt
Die bislang aussagekräftigste Studie zu KI in der Beratungsarbeit stammt von Dell'Acqua und Kollegen, durchgeführt mit der Boston Consulting Group [1]. 758 Beraterinnen und Berater bearbeiteten realistische Aufgaben, die BCG-Fachleute aus den jeweiligen Bereichen entworfen hatten, zufällig aufgeteilt in drei Gruppen: ohne KI, mit GPT-4 und mit GPT-4 plus kurzer Prompt-Einführung.
- Innerhalb der „Frontier“, also bei Aufgaben, die KI gut beherrscht, erledigten die Teilnehmenden mit KI über 18 Aufgaben hinweg 12,2 Prozent mehr Aufgaben, waren 25,1 Prozent schneller und lieferten signifikant bessere Qualität.
- Außerhalb der Frontier sah es anders aus. Bei einer Business-Case-Aufgabe sollten die Teilnehmenden aus Finanzdaten und Interviewnotizen eine Empfehlung an den CEO ableiten. Die Tabelle wirkte vollständig, der entscheidende Hinweis steckte aber in den Interviews. Die Teilnehmenden mit KI lagen im Mittel 19 Prozentpunkte seltener richtig (im Abstract: „19% less likely to produce correct solutions“). Die Zahlen im Hauptteil zeigen, was dahintersteckt: Ohne KI kamen rund 84,5 Prozent zur richtigen Lösung, in den beiden KI-Gruppen 60 bzw. 70,6 Prozent.
Für Beratungen ist dieses Muster vertraut: Analysen, Entwürfe und Zusammenfassungen gehen mit KI schneller und oft besser. Das Urteil, das Daten gegen Gesprächseindrücke abwägt, bleibt fehleranfällig, wenn man der KI zu sehr vertraut. Daraus folgt eine Arbeitsweise, keine Verweigerung: KI übernimmt die Zuarbeit, jedes Ergebnis nennt seine Fundstellen, und ein Mensch prüft und gibt frei, bevor etwas den Mandanten erreicht.
Anwendungsfälle
Due Diligence: Datenraum sichten und Red-Flag-Report erstellen Im Datenraum liegen Tausende Dokumente, der Red-Flag-Report ist in wenigen Tagen fällig. Ein digitaler Analyst liest mit, markiert Risiken mit Fundstelle und füllt Ihre Report-Vorlage; die Bewertung bleibt beim Deal-Team.
Angebote aus früheren Projekten erstellen Jedes Angebot beginnt mit der Suche nach Referenzmandaten, CVs und Methodik-Textbausteinen. Die Angebotsassistenz stellt sie aus Ihren eigenen Unterlagen zusammen und entwirft das Angebot in Ihrer Vorlage – Preis und Zusagen setzen Sie.
Markt- und Wettbewerbsanalyse mit Quellen Zwölf Wettbewerberprofile bis zum Workshop, jede Zahl belegt. Der Research-Kollege recherchiert im Web und im eigenen Wissen und nennt zu jeder Aussage die Quelle, damit Sie im Workshop nicht raten müssen, woher eine Zahl stammt.
Wissensmanagement: Projekt- und Methodenwissen wiederfinden Warum Lessons-Learned-Datenbanken in Beratungen verstauben und wie ein Wissensgraph Projekte, Methoden und die Menschen dahinter verbindet. Grundlage für alle anderen Anwendungsfälle.
Präsentationen im eigenen Corporate Design Kick-off-, Lenkungsausschuss- oder Pitch-Decks nach Ihrer PowerPoint-Vorlage, gefüllt aus Angebot, Methodik und Projektplan, und erst nach Ihrer Freigabe beim Kunden.
Projektsteuerung (Statusberichte, Lenkungsausschuss-Protokolle, Maßnahmen und Fristen) und Expert Calls (Experten finden, Calls vorbereiten, Kernaussagen mit Zitat verdichten) gehören ebenfalls zu den Einsatzfeldern; eigene Seiten dazu folgen.
Was Beratungen besonders beachten müssen
Hinweis: Dieser Abschnitt ist eine fachliche Einordnung, keine Rechtsberatung. Klären Sie konkrete Fragen mit Ihrer Rechtsabteilung oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Vertraulichkeit gegenüber Mandanten. Unternehmensberater stehen nicht in der Liste der Berufsgeheimnisträger des § 203 Abs. 1 StGB; Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte schon [3]. Beratungen mit solchen Berufsträgern im Haus müssen deren Pflichten zusätzlich beachten. Für die klassische Unternehmensberatung ergibt sich die Vertraulichkeit vor allem aus Beratungsvertrag und Geheimhaltungsvereinbarung. Hinzu kommt das Geschäftsgeheimnisgesetz: Eine Information ist dort nur geschützt, wenn ihr Inhaber sie durch „den Umständen nach angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen“ schützt [4]. Wer Mandantenunterlagen in ein KI-Werkzeug gibt, sollte deshalb erklären können, wo die Daten liegen, wer darauf zugreift und dass sie nicht zum Training verwendet werden.
Trennung von Mandaten. Vertrauliches aus Mandat A darf nicht in einem Angebot für einen Wettbewerber von A auftauchen. Bei enter ai gelten die Zugriffsrechte Ihrer Quellsysteme, und digitale Kollegen sehen nur, was die beauftragende Person ohnehin sehen darf. Ob eine Referenz oder Kennzahl verwendet werden darf, beurteilt trotzdem ein Mensch. Bestände unter besonderer Vertraulichkeit, etwa Clean-Team-Unterlagen, binden Sie am besten gar nicht ins gemeinsame Wissen ein.
Freigabe vor dem Mandanten. Was nach außen geht – eine Mail, ein Deck, eine Ablage im gemeinsamen Ordner –, wartet bei enter ai auf eine Freigabe im Einzelfall oder läuft nur im Rahmen einer Vollmacht, die ein Nutzer vorher ausdrücklich festgelegt hat. Vollmachten lassen sich jederzeit widerrufen, laufende Aufgaben anhalten.
Datenschutz. Laut Bitkom ist der Datenschutz mit 66 Prozent das meistgenannte Hemmnis unter Unternehmen, die KI nutzen [2]. Bei enter ai liegt der Wissensbestand auf Servern in Deutschland; die Sprachmodelle laufen in EU-Rechenzentren, ohne Speicherung beim Modellbetreiber und ohne Training mit Kundendaten. Jede Aktion steht im Audit-Log, ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO ist Teil jedes Vertrags. Alle Unterauftragnehmer nennt Anlage 2 der AVV.
Einführung in einer Beratung
- Strategiegespräch: Eine konkrete Aufgabe aus Ihrem Alltag wird durchgespielt, etwa ein laufendes Angebot. Danach entscheiden Sie, ob es passt.
- Verbinden: Ein Termin, ein Ansprechpartner bei Ihnen. Meist wird Microsoft 365 angebunden; Rechte werden übernommen, nicht neu gebaut. Sie legen fest, welche Bestände ins gemeinsame Company Brain gehören.
- Company Brain entsteht: enter ai liest Ablagen, Mails, Datenräume und Projekte, wie sie sind, und erkennt, wie Kunden, Personen, Methoden und Vorlagen zusammenhängen.
- Einstellungsgespräch und Probezeit: Ein digitaler Kollege – etwa Analyst, Research oder Angebotsassistenz – bekommt seine Rolle, stellt Rückfragen und legt in der Probezeit jeden Schritt zur Freigabe vor. Mehr Spielraum geben Sie erst, wenn er zuverlässig arbeitet.
- Ausrollen: Klein starten, etwa mit einem Team oder einem Arbeitspaket, dann erweitern.
Die Startseite beschreibt diesen Ablauf als ersten Tag. Der Einstieg liegt bei 59 € pro Nutzer im Monat mit Nutzungsvolumen; darüber wird nach Verbrauch mit Budgetgrenze abgerechnet. Details unter Einführung und Preise.
Grenzen
- Urteil ist nicht delegierbar. Die Studie in [1] zeigt, dass KI-Unterstützung bei einer Aufgabe, die Daten gegen Gesprächseindrücke abwägt, die Trefferquote senkt. Empfehlungen an Mandanten bleiben Ihre Verantwortung.
- Gut für Dokumentenarbeit, nicht für Beziehungsarbeit. Workshops moderieren, Widerstände im Lenkungsausschuss lesen, mit dem Vorstand verhandeln – das bleibt Ihre Arbeit.
- Kein Ersatz für Ihre Fachsysteme. Zeiterfassung, Projektabrechnung und CRM bleiben, was sie sind. enter ai liest und schreibt dort über Konnektoren, soweit Sie es freigeben.
- Ergebnisse brauchen Prüfung. KI-Ergebnisse können unvollständig oder falsch sein. Deshalb nennt jedes Ergebnis seine Fundstellen, und nichts geht ohne Freigabe nach außen.
- Die Ablage bestimmt die Qualität. Was nie dokumentiert wurde, kann auch kein Company Brain finden.
- Dell'Acqua, McFowland, Mollick, Lifshitz, Kellogg, Rajendran, Krayer, Candelon, Lakhani (2026): Navigating the Jagged Technological Frontier. Organization Science 37(2), 403–423 (Working Paper 2023) – https://doi.org/10.1287/orsc.2025.21838
- Bitkom (14.09.2026): Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI (603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten) – https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Erstmals-nutzt-die-Mehrheit-der-Unternehmen-KI
- § 203 StGB – Verletzung von Privatgeheimnissen (gesetze-im-internet.de, abgerufen 01.11.2026) – https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html
- § 2 GeschGehG – Begriffsbestimmungen (gesetze-im-internet.de, abgerufen 01.11.2026) – https://www.gesetze-im-internet.de/geschgehg/__2.html



